~ Atlas der Amazonasregion ~
~ Atlas der Amazonasregion ~
Der Amazonas ist eine der artenreichsten und ressourcenreichsten Regionen der Erde und beheimatet rund 28 Millionen Menschen, darunter indigene Völker, Quilombolas, Flussanwohnerinnen und andere traditionelle Gemeinschaften. Trotz seiner zentralen Bedeutung für das weltweite Klimagleichgewicht steht der Regenwald weiterhin unter starkem Druck neoliberaler Wirtschaftsinteressen, die auf ausbeuterische Modelle setzen und lokales Wissen marginalisieren. Der Atlas da Amazônia Brasileira, der von mehr als 50 Autorinnen verfasst wurde, zielt darauf ab, koloniale Vorstellungen zu überwinden, die die Region als leeres und rückständiges Gebiet darstellen, und bietet eine differenziertere Sicht auf ihre sozialen, kulturellen und ökologischen Dynamiken.
In den letzten Jahren hat der Amazonas alarmierende Zuwächse an Abholzung, illegalem Goldabbau und Gewalt gegen Umweltverteidiger*innen erlebt. Zwischen 2019 und 2022 nahm die Entwaldung vor allem zur Schaffung von Weideflächen zu, der illegale Bergbau in indigenen Gebieten stieg um 90 %, und die Zahl der bewaffneten Personen im westlichen Amazonasgebiet erhöhte sich um über 1.000 %. Die Umwelt- und humanitären Krisen verschärften sich, wie die Tragödie des Yanomami-Volkes und die extremen Dürren der Jahre 2023 und 2024 zeigen, die zu Wasser- und Nahrungsmittelknappheit sowie zu schweren Gesundheitsproblemen durch die Rauchbelastung infolge der Brände führten.
Im Jahr 2025 wird die Stadt Belém Gastgeberin der COP 30 sein – der ersten Klimakonferenz der Vereinten Nationen, die in Brasilien stattfindet – und damit zu einem Schauplatz des Spannungsfelds zwischen wirtschaftlichen Interessen und sozial-ökologischen Kämpfen. In diesem Kontext versteht sich der Atlas als Instrument des Widerstands und der Reflexion, das wissenschaftliches Wissen und traditionelle Erkenntnisse miteinander verbindet, um unser Verhältnis zur Natur neu zu denken. Das Werk fordert dazu auf, mit eurozentrischen und kolonialen Sichtweisen zu brechen, und ruft die Gesellschaft auf, sich zwischen der Zerstörung oder der Erneuerung des Amazonas zu entscheiden – inspiriert vom Mythos der Boiúna, der großen Schlange, die den Lauf der Gewässer verändern und sinnbildlich das Schicksal der Menschheit wandeln kann.